Ein Blick in die Weite des Grünen C

Es blüht im Grünen C

Von der Quarzsandgrube in Bornheim über die Siegaue bis zum Birlinghovener Wald – das ist das Grüne C. Der Landschaftspark verbindet unterschiedlichste Naturräume und kam durch die Form auf der Karte zu seinem Namen. Mit jedem Jahr sind neue Projekte im Grünen C für die Region geplant. Mittlerweile wird aber auch Kritik laut. // Von Noemi Kolloch & Philipp Laskowski

Im September 2018 wurden 3.750 Quadratmeter Fläche in der Grünen Mitte in Sankt Augustin umgepflügt, um als Blühstreifen im kommenden Jahr zu dienen. Nun sieht man erstmals die Wiesenpflanzen aufblühen.


Eine Karte des Grünen C. Eingetragen sind alle Stationen, die im folgenden Beitrag 360°-Bilder enthalten. Quelle: @ 2019 GeoBasis-DE/BKG

Heimatpflanzen gegen Insektenschwund

Hauptkriterium bei der Auswahl des Saatgutes war, dass es gebietsheimisch ist. Die Zusammensetzung sollte dabei besonders geeignet  für die hiesigen Böden und Insekten sein. So wurden auf sechs Flächen fünf verschiedene Grasarten zusammen mit 35 unterschiedlichen heimischen Kräutern, wie der Wiesen-Schafgarbe oder dem Spitz-Wegerich, eingesät.
"Die Stadt Sankt Augustin bemüht sich um die Erhöhung der Biodiversität im Stadtgrün unter anderen um dem weltweiten Artensterben entgegen zu wirken und eine Nahrungsgrundlage für Insekten zu bieten", so Sandra Paul, Landschaftsarchitektin des Büros für Natur- und Umweltschutz der Stadt Sankt Augustin. Dabei soll die Biologische Station Bonn/Rhein-Erft die Blühstreifen drei Jahre lang in ihrer Entwicklungsphase begleiten, pflegen und erhalten. Die Stadt Sankt Augustin hat für die neu angelegten Blühstreifen in der Grünen Mitte insgesamt 15.000 Euro bereitgestellt.


In diesem 360°-Bild ist der Blühstreifen in der Grünen Mitte bei Sankt Augustin zu sehen. Er liegt in der Nähe zur Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Die Grüne Mitte selbst ist ein Teilprojekt des Grünen C in Sankt Augustin. Sie wurde für die Naherholung und die biologische Vielfalt ausgebaut aber auch für die Vernetzung innerhalb der Region. "Denn Freiraum endet nicht an der Stadtgrenze", so Sandra Paul.
Die Stadt Sankt Augustin liegt im Ballungsgebiet Köln/Bonn. Dort dehnt sich die sogenannte "Graue Infrastruktur" (Wohnungsbau, Straßenbau, Gewerbeflächen) immer weiter aus. Das Grüne C versucht dies durch langfristige Sicherung von Natur- und Freiräumen zu verhindern.

Ziele und Finanzierung

Das Grüne C sollte als Pilotprojekt in Deutschland fungieren und entwickelte sich durch sein Verbundsystem aus Landschaftskorridoren wie Grüngürteln zum Kulturlandschaftsnetzwerk. Insgesamt ist das Ziel des Grünen C, verschiedene Interessen miteinander zu verbinden. Es soll ein Wirtschaftsraum für die Landwirtschaft, aber auch ein Freizeitraum für die Anwohner sein. Dabei soll der Landschaftspark in Teilen als geschützter Naturraum verstanden werden. Aus diesem Grund gehört zum Grünen C ein insgesamt 37 Quadratkilometer großer, verknüpfter Landschaftsraum. Dazu gehören zum Beispiel Teile der Rhein- und Siegaue, die Hangelarer Heide oder der Birlinghovener Wald. Diese unterschiedlichen Landschaftsräume in Bonn und Umgebung sind als Freiräume zwischen den Ortslagen der beteiligten Kommunen zu verstehen.

Um die unterschiedlichen Freiräume zu verbinden, wurden Wegesysteme für Fußgänger und Fahrradfahrer angelegt. Diese bezeichnet man als "Links". An den Übergangsstellen von Siedlungen zu Landschaftsräumen sind Landschaftstore zu sehen. Auch Stationen mit Informationen über den jeweiligen Naturraum finden sich entlang der "Links" im gesamten Grünen C. Projekte wie der Generationen-Parcours in Sankt Augustin oder die Mondorfer Fähre gehören ebenfalls zum Grünen C.

Insgesamt hat das Grüne C bis Ende 2018 insgesamt rund 23 Millionen Euro gekostet. 20 Prozent stammen aus Eigenleistungen der Kommune und 80 Prozent aus Landes-, Bundesmitteln und Mitteln der EU.

 


Dieses 360°-Bild ist auf der Aussichtsplattform in der Quarzsandgrube entstanden.

Das Grüne C und die Umwelt

Unterschiedliche Landschaftsräume befinden sich im Grünen C: Von Auen-, Kies und Wiesenlandschaft zu landwirtschaftlich geprägten Landschaften. Aufgrund dessen sind seltene Tierarten wie der Eisvogel im Pleisbachtal bei Sankt Augustin oder die Zauneidechse im Meßdorfer Feld im Norden Bonns geschützt. Durch Aufforstungen wie an der Siegaue werden aber auch Landschaftsräume renaturiert. Durch die "Links" und den dort liegenden Landschaftstoren können Wanderer und Fahrradfahrer mehr über die geschützten Landschaftsräume und ihre Umwelt erfahren.

David Baier, Landschaftsarchitekt und Abteilungsleiter im Amt für Stadtgrün der Stadt Bonn, sagt zum Grünen C und dessen Bedeutung für die Umwelt in Bonn und Umgebung:

"Aufgrund der Realisierung des Projekts wurde über den Verlust wertvollen Freiraums als Ressource für Naherholung, Naturschutz und Landwirtschaft interkommunal intensiv diskutiert. Dies ist neben Einzelthemen, wie der Förderung artenreicher Streuobstwiesen, ein sehr großer Beitrag zum Erhalt lebensnotwendiger Ressourcen."

Ungenügender Freiraumschutz im Grünen C

Kritisiert wird das Grüne C von der Fraktion Bündnis 90/Grünen der Stadt Bonn wegen der Gestaltung der einzelnen Stationen. Über die Betonbänke und Betonunterstände bei den Informationstafeln sind die Grünen "nicht sehr glücklich". Man hätte dies ansprechender gestalten können. Sophie Goebel, die Fraktionsgeschäftsführerin, findet außerdem die Richtungsbeschilderung mangelhaft: "Wenn man sich nicht auskennt, weiß man nicht, in welcher Richtung nun der Rhein oder die Sieg liegt."

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert schon seit längerer Zeit das Gebiet des Grünen C als Naturschutzgebiet auszuweisen. Damit wolle man die Freiräume vor Bebauung schützen. Der bestehende Landschaftsschutz hindert beispielsweise nicht das Vorhaben einer geplanten Straße oder eines neu gebauten Pferdehofs in Bornheim. Durch das fehlende Bewusstsein für den "Biotopverbundkorridor" ergeben sich Konflikte im Artenschutz. Als Beispiel nennt Achim Baumgärtner, Sprecher der Kreisgruppe Rhein-Sieg des BUND, das Rebhuhn und die Wechselkröte, deren Lebensräume durch Baugebiete genommen wurden. "Das Naturschutzgebiet ist dabei in NRW die einzige Schutzkategorie, die einen wirksamen Schutz erzielt und die außerdem den Anspruch, die Biotopverbundfunktionen mit zu stärken, gut berücksichtigt", erklärte er.

 


Mithilfe einer 360°-Kamera konnte hier die Siegaue, direkt an der Siegfähre, fotografiert werden.

Das Projekt

Im Rahmen der Regionale 2010 wurde das Grüne C als Landschaftsprojekt vorgestellt. Projektträger sind hierbei die Städte Bonn, Bornheim, Niederkassel, Sankt Augustin, Troisdorf und die Gemeinde Alfter in Kooperation mit dem Rhein-Sieg-Kreis. Vergleichbare Projekte wie "RegioGrün", "Grüner Fächer" in Leverkusen und "Kulturlandschaft des Homburger Ländchen" sind ebenfalls ein Teil der 53 Projekte der Regionale 2010 und wurden mithilfe vom Land NRW, der Bezirksregierung Köln, der Verbände und der Kreise und Kommunen verwirklicht.

Teaserbild: Ausblick vom Turm der Quarzsandgrube in Bornheim, Quelle: Theodor Zbroja

 

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