Das Bild zeigt einen Mann, der am Telefonieren ist, das Telefon hat wellenförmige Strahlen um sich. Der Hintergrund ist unscharf.

Handystrahlung: Schutz und Aufklärung

Zu hohe Strahlungswerte beim iPhone 12 sorgten für Aufregung in Frankreich. Die Agence nationale des frequences (ANFR) forderte die Rücknahme des Mobiltelefons aufgrund zu hoher Strahlungswerte. Deutsche Experten klären über die Gesundheitsrisiken auf und empfehlen praktische Schutzmaßnahmen im Umgang mit Handys. // Von Matin Hashimi und Jared Rosenkiewicz

Apple hatte in Frankreich ein Problem: Das iPhone 12 hatte zu hohe Strahlungswerte. Bei Überschreitung der europäischen Richtwerte werden gesundheitliche Folgen befürchtet. Es wurde daher diskutiert, ob die Mobiltelefone zurückgerufen werden sollten. Apple kritisierte die Messverfahren des ANFR, dass eine wichtige Funktion nicht berücksichtigt worden sei.

Elektromagnetische Strahlung von Mobiltelefonen: SAR-Wert

Der SAR-Wert (Spezifische Absorptionsrate) ist eine Messgröße, die die Eindringtiefe der elektromagnetischen Strahlung in den menschlichen Körper beschreibt. Ein niedriger SAR-Wert bedeutet, dass die Strahlung, die von einem Gerät ausgeht, weniger stark in das Körpergewebe eindringt. Dieser Wert darf gemäß den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Grenzwert von zwei Watt pro Kilogramm nicht überschreiten. Während des Gebrauchs des Geräts misst man die Strahlung direkt in der Nähe des Ohrs. Um den SAR-Wert eines Mobiltelefons zu bestimmen, testet man es an einem Modell des menschlichen Kopfes, der mit einer Flüssigkeit gefüllt ist und ähnliche elektrische Eigenschaften wie menschliches Gewebe aufweist.

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iPhone 12 in Frankreich: Warum trotz erhöhter Strahlungswerte keine Gefahr droht

Das in Frankreich genutzte Prüfprotokoll hatte zwar erhöhte Strahlungswerte aufgezeigt. Jedoch hat man die Sensoren zur Körpererkennung nicht berücksichtigt. Diese sind seit mehr als zehn Jahren bereits in iPhones verbaut und aktiv. Durch diese Sensoren strahlt das Handy nur bei Entfernung zum Körper stärker, als es die Richtlinien erlauben. Dennoch veröffentlichte man für Frankreich ein Softwareupdate, das die Sendeleistung verringert und die Sensoren zur Körpererkennung abschaltet. Dadurch wird die Strahlungskapazität auf einen geringeren Wert begrenzt. Dadurch, dass in jedem iPhone diese Sensoren eingebaut sind und diese die Strahlung in Körpernähe drosseln, sieht es nach aktuellen Wissensstand aus, dass von Strahlungswerten des iPhone 12 keine Gefahr ausgeht.

Bundesamt für Strahlenschutz sieht keine Gefahr

Im Interview sagte eine Pressesprecherin beim Bundesamt für Strahlungsschutz (BfS): „Um gesundheitliche Wirkungen der hochfrequenten Felder auszuschließen, sollen entsprechend den Leitlinien der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP), den Empfehlungen der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK) und der EU-Kommission folgende SAR-Höchstwerte eingehalten werden. Diese Werte sind zwei Watt pro Kilogramm am Kopf und am Rumpf und vier Watt an den Gliedmaßen.“ Des weiteren seien die Werte, die mit einer thermischen Schädigung durch Erwärmung des Gewebes verbunden seien, deutlich unterhalb dieser Werte. Erst bei Werten von 40 Watt pro Kilogramm seien mit einer Schädigung, insbesondere an der Hand, zu rechnen.

Jürgen Apfelbeck, Professor für Grundlagen der Elektrotechnik und Informationselektronik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, sieht ebenfalls keine Anzeichen für weitere Gefährdungen durch die in Frankreich gemessene Strahlung. „Der wesentliche Effekt ist, dass sich der Körper erwärmt; andere Auswirkungen sind nicht nachgewiesen.“ Seiner Meinung nach sind die Richtwerte von vier Watt pro Kilogramm angemessen.

Handystrahlung: Aktueller Wissensstand und Vorsichtsmaßnahmen des Bundesamts für Strahlenschutz

Das Bundesamt für Strahlenschutz geht nach aktuellem Wissensstand nicht von einer gesundheitlichen Gefährdung durch die in Frankreich gemessene Handystrahlung aus. Dennoch ist Vorsicht geboten, weil Forscher noch nicht untersucht haben, ob es Risiken bei einer langfristigen Belastung durch hochfrequente elektromagnetische Felder während Telefonaten mit dem Handy bei Erwachsenen gibt. Bisher hat man intensive Langzeitstudien über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren zur intensiven Nutzung und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Gesundheit nicht durchgeführt. Offen ist auch die Frage, ob die Nutzung von Mobiltelefonen auf Kinder gesundheitliche Auswirkungen haben könnte. Aufgrund dieser Unsicherheiten empfiehlt das BfS vorsorglich, die persönliche Belastung durch elektromagnetische Felder möglichst gering zu halten.

Praktische Schutzmaßnahmen im Umgang mit Handys

  • Surfen im Internet und E-Mails abrufen: Besser bei gutem Empfang oder über WLAN, da WLAN niedrigere Sendeleistung hat.
  • Abstand beim Internetnutzen beachten: Ausreichenden Abstand zum Körper halten, um Strahlenbelastung zu reduzieren.
  • Festnetztelefon bevorzugen, wenn die Wahl zwischen Festnetz und Handy besteht.
  • Führen Sie kurze Telefonate mit dem Handy.
  • Telefonate bei schlechtem Empfang vermeiden, um die Sendeleistung nicht zu erhöhen.
  • Handys mit niedrigem SAR-Wert wählen, um geringere Strahlenbelastung sicherzustellen.
  • Verwenden Sie Headsets, um den Abstand zwischen Kopf und Antenne zu vergrößern.
  • Schreiben Sie Textnachrichten, um das Handy nicht am Kopf zu halten.

Teaserbild: Handystrahlung beim Telefonieren - Beispielbild / Bild: Jared Rosenkiewicz