Übersichtsbild von Bonn mit den Symbolen Abfallwirtschaft, Auto, Brief, Internet, Haus und Einkaufswagen

Smart City – ein Zukunftskonzept?

Stadtentwickler setzen auf die Digitalisierung: Effizienter, nachhaltiger und sicherer sollen die Städte werden. Oft wird in diesem Zusammenhang von "Smart City" gesprochen. Auch Bonn setzte bereits Projekte zu diesem Thema um. Doch was genau verbirgt sich eigentlich dahinter? //Von Johanna Schulze und Paulina Zacharias

An der Einfahrt zur Münsterplatzgarage in Bonn stehen Laternen, die nachts zu 70 Prozent gedimmt sind. Registriert der Bewegungsmelder jemanden, der beispielsweise die dortigen Container nutzt, geht das Licht komplett an. An der Decke dieser Container hängen außerdem Ultraschallsensoren, die melden, wenn der Behälter voll ist. Ziel ist es, dass der städtische Abfallbetrieb Bonnorange die Container nur dann leert, wenn es wirklich nötig ist. So soll weder Müll herumliegen, noch macht der Abfallbetrieb unnötige Fahrten. Diese smarten Lösungen sind Teil des Digitalisierungsprojektes "Smart City Bonn", das die Stadt zusammen mit den Stadtwerken, Bonnorange und der Deutschen Telekom startete.

Straßenlaternen und Müllcontainer an der Münsterplatzgarage in der Smart City Bonn

Sensoren in den Containern an der Münsterplatzgarage in Bonn melden, wenn sie geleert werden müssen. Die Laterne schaltet sich nachts durch einen Bewegungsmelder an. //Quelle: Johanna Schulze und Paulina Zacharias

Smart City als Oberbegriff

Grundsätzlich gibt es keine einheitliche Definition des Begriffs "Smart City". Es geht prinzipiell darum, Städte oder auch Regionen mit Hilfe von modernen Technologien und Dienstleistungen zu vernetzen. Dadurch soll der Lebensstandard der Menschen erhöht und das Leben und Arbeiten in der Stadt effizienter und nachhaltiger gestaltet werden. Das Gesamtziel kann dabei unterschiedlich sein. Teilweise geht es um Ressourceneinsparungen, um eine Verbesserung der Verkehrssituation oder auch darum, Verwaltungsabläufe für die Bürger zu vereinfachen. "Es wird kein großes Gesamtkonzept geben und das ist auch gut so, weil jede Stadt individuell ist und individuelle Lösungen braucht", so Alexander Handschuh, Pressesprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.
Um eine Stadt "smart" zu machen, gibt es verschiedene Wege, die sich wieder nach den jeweiligen Zielen richten. Diese kann man in Kategorien einteilen:

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"Smart City ist nicht nur die vernetzte Mülltonne."

Die Stadt Bonn stellt bei ihren "Smart City"-Planungen den Bürger in den Mittelpunkt. "Die Angebote sollen so gemacht werden, dass der Bürger einen direkten Nutzen davon hat", so Friedrich Fuß, der Chief Digital Officer der Stadt Bonn. Er unterstützt die zuständigen Ämter bei der digitalen Umgestaltung. Das Ziel ist es, die Verwaltung digitaler zu gestalten. Beispielsweise gibt es das Online-Maßnahmenpaket "Ummelden/Abmelden in der Stadt". Außerdem können nun auch Bewerbungsverfahren komplett online ablaufen. "Smart City ist nicht nur die vernetzte Mülltonne, sondern betrifft auch die städtischen Dienstleistungen", sagt Fuß. Wichtig bei diesen Entwicklungen sei es, Medienbrüche zu vermeiden. Ein Dokument, welches der Bürger online einreiche, solle auch in der Verwaltung digital verarbeitet werden können.

Viele deutsche Städte sind auf dem Weg zur Smart City

Nicht nur Bonn beschäftigt sich mit "Smart City"-Konzepten. Auch andere deutsche Großstädte wie zum Beispiel Köln haben entweder einzelne Projekte zum Thema Smart City oder Gesamtkonzepte.

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Aber Smart City ist nicht nur für Großstädte ein Thema. Die Stadt Arnsberg entwickelt zum Beispiel ein Grünbuch zur digitalen Agenda 2015 – 2020. In diesem sind acht Handlungsfelder für die Digitalisierung in Arnsberg festgehalten. Dazu zählen etwa ein moderner digitaler Bürgerservice, computergestützte medizinische und soziale Dienste sowie die Unterstützung der digitalen Kompetenzen der Älteren. "Bei Smart City geht es um Lösungen, die sowohl für größere als auch für kleinere Städte geeignet sind. Die Notwendigkeit digitaler Konzepte besteht überall", sagt Alexander Handschuh.

Bundesregierung gibt Handlungsempfehlungen

Auch die Bundesregierung beschäftigt sich mit dem Thema Smart Cities. Im Mai 2016 richtete sie eine "Digitalplattform Smart Cities" ein. Diese besteht aus etwa 70 Vertretern des Bundes, der Länder, der kommunalen Spitzenverbände, der Städte, Kreise und Gemeinden, verschiedener Wissenschaftsorganisationen, von Wirtschafts-, Sozial- und Fachverbänden sowie der Zivilgesellschaft. Sie erarbeitete eine Smart City Charta, die im Mai 2017 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung herausgegeben wurde.
Die Charta umfasst Handlungsempfehlungen und Leitlinien für Kommunen zur Gestaltung von Digitalisierung in Städten, Kreisen und Gemeinden. "Die Smart City Charta bietet eine gute Diskursgrundlage. Die Kommunen können aber nicht dazu verpflichtet werden, alle Bausteine der Charta umzusetzen", sagt Eva Schweitzer vom BBSR. Laut Alexander Handschuh sei die Smart City Charta grundsätzlich sinnvoll, allerdings gehe es vor allem darum, wie Städte baulich verändert werden können. Es sollten aber auch Punkte wie die Zivilgesellschaft und das Gesundheitswesen bedacht werden.

Technikwandel fordert Stadtplaner heraus

Bei der Planung und Umsetzung von intelligenten und vernetzen Zukunftsstädten werden die Kommunen vor neue Herausforderungen gestellt. Sie können derzeit auf nur wenige Langzeiterfahrungen anderer Städte mit "Smart City"-Projekten zurückgreifen. Darüber hinaus gibt es kein einheitliches Schema, an dem sich die Kommunen bei der Entwicklung einer Strategie für die digitale Transformation orientieren können.
Ein weiteres Problem: die rasante Entwicklung der Technik. Diese steht im Widerspruch zu den städtischen Zyklen. "Die Schwierigkeit besteht darin, dass man sehr schnell auf technologische Neuerungen reagieren muss, da sich diese sehr schnell entwickeln", sagt Alexander Handschuh. Auch müsse die Politik in anderen Zeiträumen denken. Als Beispiel nennt Handschuh den Bundesverkehrswegeplan: "Dort ist bis 2030 alles geplant, was das Verkehrsnetz betrifft. Das ist heute in 12 Jahren, wenn man aber 12 Jahre zurückdenkt, gab es da nicht einmal ein Smartphone."

Digitaler Wandel schreitet voran

Anhand ihrer individuellen Ziele entwickeln Städte Strategien und Maßnahmen, die sie zunächst einmal erproben, bevor sie flächendeckend eingesetzt werden können. Dieser experimentelle Prozess ist wichtig, da es auch in Zukunft vermutlich kein übergeordnetes "Smart City"-Konzept, welches für alle Städte anwendbar ist, geben wird. Der digitale Wandel schreitet weiter voran und wird die Kommunen dazu zwingen, sich mit vernetzter Stadtentwicklung auseinanderzusetzen. "In Zukunft geht es darum, wie wir uns Technologien zunutze machen können, um die Städte nachhaltig zu gestalten und zu organisieren", sagt Jens Libbe vom Deutschen Institut für Urbanistik.
Außerdem müssen sich die Akteure mit den Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit auseinandersetzen. Dessen ist sich auch Friedrich Fuß bewusst: "Fortschreitende Digitalisierung ist immer mit Datensicherheit verknüpft und hat einen genauso hohen Stellenwert wie die Technik selbst."

Die Autorinnen

Johanna Schulze

Paulina Zacharias

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