Ein Hubschrauber steigt in die Luft und startet zum Formationsflug.

Ein Job mit Aussicht

Der Traumjob Hubschrauberpilot kann bei der Bundespolizei in Sankt Augustin regelmäßig von einer kleinen Gruppe Auszubildender erlernt werden. Anschließend warten verschiedene Aufgaben von der Beförderung von Staatsgästen bis hin zur Verfolgung von Straftätern. Erst im Herbst 2017 beendeten 18 Auszubildende den 37. Lehrgang der Pilotenausbildung. //Von Vanessa Henke und Patrick Wolf

07.03.2018//Im vergangenen Jahr starteten 18 angehende Hubschrauberpiloten den traditionellen Formationsflug vom Flugplatz in Richtung Bonn, um ihre letzte Ausbildungswoche einzuläuten. Anschließend flogen die Auszubildenden eine Woche lang Flugmanöver über Hamburg, Fuhlendorf, Rostock-Laage, Neustrelitz, Blumberg, Halle und Fuldatal. Im Anschluss daran wurden die Absolventen auf die vier bundesweiten Fliegerstaffeln aufgeteilt.

Eine Luftfahrerschule auf neustem Stand

Die Luftfahrerschule der Bundespolizei Sankt Augustin am Standort Hangelar ist die einzige dieser Art in Deutschland. Etwas versteckt und hoch umzäunt liegt das Ausbildungsgelände am Standort Sankt Augustin. Dort ist die Bundespolizei schon seit 1951 vertreten. Eine Niederlassung bot sich an, da Hangelar in unmittelbarer Nähe zur damaligen Bundeshauptstadt Bonn lag und der dort ansässige Flugplatz bereits in beiden Weltkriegen als Militärstützpunkt genutzt worden war. Im Jahr 2014 wurden hier die Schulgebäude durch einen modernen Erweiterungsbau ergänzt. Das neue Gebäude bietet weitere 1240 Quadratmeter Platz für die Ausbildung zum Hubschrauberpiloten oder -techniker.
Neben neuen Hörsälen und Schulungsräumen, die mit modernster Technik ausgestattet sind, befinden sich außerdem ein neues Audimax und neue Büros der Fluglehrer im Erweiterungsbau. Unterschiedliche Hubschraubermodelle für die Verfahrenstrainings und drei Flugsimulatoren ergänzen die neu geschaffenen Voraussetzungen für die Auszubildenden. Allerdings ist trotz der neuen Flugsimulatoren reales Training unerlässlich und wird lediglich durch die Simulatoren ergänzt. "Wir sind bemüht, mit Blick auf unsere Einsätze in vertretbarem Rahmen zu fliegen", so Thomas Helbig, Leiter der Bundespolizei-Fliegergruppe.
Der Neubau kostete knapp sechs Millionen Euro und hatte eine Bauzeit von zweieinhalb Jahren. Finanziert wurde er von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Aufgaben eines Hubschrauberpiloten

Auf die frischgebackenen Hubschrauberpiloten der Bundespolizei kommen ab sofort viele Aufgaben zu. So zählen zu ihren Tätigkeitsfeldern unter anderem die Beförderung von Staatsgästen der Bundesregierung, der Transport von Polizeitruppen zu Großeinsätzen, einhergehend mit der Unterstützung des Bundeskriminalamtes zum Beispiel bei der Suche nach flüchtigen Straftätern oder vermissten Personen sowie die Überwachung und der Schutz der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland. Dies schließt im Besonderen auch die Überwachung der Nord- und Ostsee in Zusammenarbeit mit den Schiffen der Küstenwache ein. Des Weiteren sind die Piloten der Bundespolizei auch für Bahnüberwachungsflüge zuständig, indem sie für die Sicherheit auf den Zugstrecken sorgen. Insgesamt befinden sich 78 Hubschrauber im regelmäßigen Einsatz der Bundespolizei, wovon 16 für den Rettungsdienst zuständig sind. Pro Jahr sollen zwölf neue Hubschrauberpiloten lizensiert werden, um den Bedarf der Polizei zu decken.

Der Weg zum Traumjob

Für eine erfolgreiche Bewerbung müssen zunächst einige Voraussetzung geprüft werden (siehe Infokasten). Die Anforderungen sind vielfältig und müssen vollständig erfüllt sein. Nachdem alle Tests erfolgreich abgeschlossen worden sind, beginnt die 20 Monate dauernde Ausbildung. Die ersten beiden Monate verbringen die Auszubildenden zunächst im Bundessprachenamt in Hürth zur Absolvierung eines Englischkurses. Erst danach werden sie der Fliegergruppe der Bundespolizei zugeteilt, bei der sie dann entweder die Hubschrauberpilotenlizenz oder die Flugtechnikerlizenz erwerben. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung müssen die Absolventen noch eine neunmonatige Einweisung abschließen, bei der das Fliegen mit Nachtsichtbrille, der Instrumentenflug und das Fliegen der "Super Puma", des Flaggschiff der Flotte, geübt werden. Die Einweisung erfolgt durch einen älteren erfahrenen Kommandanten. Im Anschluss an diese Phase sind die Absolventen Copiloten. Ein Kommandantenlehrgang kann dann noch folgen, um verantwortungsvollere Aufgaben, wie Transportflüge oder das Fliegen des Kanzlerhubschraubers übernehmen zu können.

Voraussetzungen und Alternativen

Ausbildungsvoraussetzungen für Bewerber

Zunächst muss sowohl eine Ausbildung im mittleren als auch im gehobenen Dienst absolviert werden, da man sich bei der Flugstaffel nicht direkt bewerben kann. Darauf folgen ein Eignungsauswahlverfahren und eine Flugtauglichkeitsuntersuchung für angehende Piloten und Techniker. Gesunde Zähne und Augen sind zwingend erforderlich, Bewerber mit gelaserten Augen werden zum Beispiel nicht zugelassen. Auch chronische Erkrankungen und Rückenleiden sind Ausschlusskriterien. Das Höchstalter für eine Ausbildungszulassung beträgt 33 Jahre, bei fliegerischen Vorkenntnissen ist auch ein Alter von 35 noch zulässig. Englischkenntnisse, die dem Standardisierten Leistungsprofil 2 entsprechen, müssen nachgewiesen werden können, außerdem benötigen Bewerber das Deutsche Rettungs- und Schwimmabzeichen, das zum Bewerbungszeitpunkt nicht älter als ein Jahr sein darf. Es darf kein Eintrag im Verkehrsregister vorliegen und das polizeiliche Führungszeugnis muss einwandfrei sein. Die Bewerber sollten über Selbstdisziplin, Verantwortungsbewusstsein und Koordinationsfähigkeit, Multitaskingfähigkeit sowie über technisches Verständnis und räumliches Denken verfügen. Teamfähigkeit und gute Nerven in Extremsituationen sind ein Muss. Alle Bewerber müssen sich darauf einstellen, im Ausland eingesetzt zu werden.

Alternativen zur polizeilichen Ausbildung

Die Ausbildung zum Hubschrauberpiloten kann auch bei der Bundeswehr und in privaten Flugschulen erfolgen. Bewerber bei der Bundeswehr müssen dafür zuvor eine Offizierslaufbahn einschlagen. Die Ausbildung bei privaten Flugschulen kann auch im Ausland erfolgen, damit man die Fluglizenz in Europa nutzen kann muss eine im Ausland erworbene allerdings erst in eine europäische Lizenz umgewandelt werden. Eine Ausbildung in den USA bietet sich an, da dort die Flugstunden deutlich günstiger sind im Vergleich zu Stunden in Deutschland. Die Aufgaben von Hubschrauberpiloten außerhalb des Polizeidienstes beinhalten beispielsweise Rundflüge über Städte und Landschaften als touristische Attraktionen, Rettungseinsätze, Einsätze im landwirtschaftlichen Bereich oder auch Einsätze
für den ADAC.

Teaserbild: Ein Hubschrauber steigt in die Luft und startet zum Formationsflug, Quelle: Patrick Wolf und Vanessa Henke

Vanessa Henke

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Patrick Wolf

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