Collage Elektromobilität Bonn

Bonn und die Elektromobilität

Es werden jährlich immer mehr Elektroautos in Deutschland zugelassen. Die Stadt Bonn steht hinter dem Konzept des Elektroantriebs und bietet neben Lademöglichkeiten für Elektroautos auch verschiedene Fördermaßnahmen und Verleih-Angebote für unterschiedliche Elektrofahrzeuge an. Technikjournal schaut sich die Situation in Bonn näher an. // Von Sven Reck

Im Januar 2019 veröffentlichte das Center of Automotive Management (CAM) aus Bergisch Gladbach eine Studie, die besagt, dass immer mehr Elektroautos in Deutschland zugelassen werden. Im Jahr 2018 waren es in Deutschland rund 68.000 E-Autos. "In Bonn sind insgesamt 10.125 reine Elektroautos angemeldet (Stand Mai 2019)", so Stefanie Zießnitz von der Stadt Bonn. Allerdings sind davon 9.728 auf die Deutsche Post zugelassen, welche bundesweit im Einsatz sind. Die restlichen Fahrzeuge sind auf andere Halter verteilt und somit auf die Angebote und Lademöglichkeiten der Stadt Bonn angewiesen.

Ladeinfrastruktur in Bonn

"In Bonn können aktuell 50 Autos gleichzeitig über die öffentlichen Ladesäulen des "TankE-Netzwerks" laden, allerdings haben sich die Stadtwerke Bonn vorgenommen den Ausbau schnell voranzutreiben", sagt Martin Nagel, Mitarbeiter der "Stadtwerke Bonn Energie und Wasser" (SWB). Bisher liegt der Fokus auf der Innenstadt, doch in Zukunft soll jeder Stadtteil mit mindestens einer Ladesäule ausgestattet werden. Das "TankE-Netzwerk" fasst verschiedene Ladesäulenbetreiber zusammen. Darunter fallen Betreiber wie zum Beispiel die SWB, e-Regio, RheinEnergie. Ein solcher Zusammenschluss von Betreibern habe den Vorteil, dass man sich bei der Freischaltung einer Ladesäule keine Sorgen machen müsse, erklärt Nagel.

Die Freischaltung und Bezahlung einer Ladesäule erfolgt in der Regel über eine App oder Ladekarte, was bei vielen unterschiedlichen Anbietern dazu führen kann, dass schnell eine große Sammlung an Apps und Karten zusammen kommt. Neben dem "TankE-Netzwerk"gibt es in Bonn weitere Anbieter wie "innogy" oder "Comfortcharge" von der Telekom.

Doch eine Ladesäule allein lädt das Auto nicht auf. Dafür sind Ladekabel und Stecker notwendig. Jede Ladesäule ist für mindestens einen Steckertyp ausgelegt. An den öffentlichen, Bonner Ladesäulen sind hauptsächlich die sogenannten Typ-2-Anschlüsse mit 22 Kilowatt Leistung verbreitet. Dieser Steckertyp kommt im europäischen Raum am häufigsten vor und wurde als Standard festgelegt. Viele dieser Typ-2-Säulen besitzen zusätzlich die Möglichkeit über einen, wie aus dem Haushalt bekannt, Schutzkontaktstecker (Schuko-Stecker) sein Auto zu laden. Allerdings bietet diese Alternative nur eine geringe Leistung von 2,3 Kilowatt und sollte nur für das Laden von E-Rollern verwendet werden.

 

Ladesäule der SWB

Ladesäule der SWB mit jeweils zwei Typ 2 Stecker- und Schuko-Anschlüssen (Fotos: Sven Reck)

Zuhause laden

Wer es in Betracht zieht eine Ladestation Zuhause zu installieren, kann auf das Angebot für eine Wallbox von den Bonner Stadtwerken eingehen. Dieses Angebot ist nur in Verbindung mit einem Wechsel zu "BonnNatur Strom" möglich, da die Stadtwerke der Überzeugung sind, dass die Elektromobilität nur dann ökologisch sinnvoll ist, wenn man "das Ganze zu Ende denkt und das Auto zu 100 Prozent mit Öko-Strom lädt und damit den CO2 Ausstoß der Batterieherstellung ausgleicht", erklärt Nagel.

Es ist auch möglich ein passendes Gerät, bei Elektrofachmärkten oder beim Autohersteller zu kaufen. In jedem Fall muss für eine Wallbox ab elf Kilowatt (kW) Leistung vom Netzbetreiber "BonnNetz" überprüft werden, ob der Hausanschluss die nötige Leistung erbringen kann. Wenn der Anschluss bereits ausgelastet ist, besteht die Möglichkeit, diesen verstärken zu lassen, was allerdings mit hohen Kosten verbunden ist. Eine Installation von Wallboxen unter 3,7 kW ist immer ohne Kontrolle möglich. Die Installation einer Wallbox muss von einem Fachbetrieb übernommen werden und darf unter keinen Umständen selbst durchgeführt werden. Der Elektroinstallateur haftet für den fachgerechten Einbau.

Weitere Angebote in Bonn

Neben der öffentlichen Ladeinfrastruktur und den Wallboxen für Zuhause bietet die SWB finanzielle Vorteile für Fahrer eines E-Fahrzeugs an. Zum einen dürfen sie auf öffentlichen Parkplätzen kostenlos parken, zum anderen werden Förderprogramme für die E-Mobilität angeboten. Diese finanzielle Unterstützung bezieht sich auf den Neukauf von E-Fahrrädern und E-Rollern. Die SWB belohnt die Anschaffung eines E-Fahrzeugs mit einem Zuschuss von bis zu 100 Euro für ein E-Fahrrad und bis zu 250 Euro für ein E-Roller. Für Interessenten der E-Mobilität bietet die Stadt einen kostenlosen Verleih von E-Bikes und E-Rollern an. Neu im Mobilitätsangebot der Stadt ist der E-Scooter-Verleih. Etwa 200 elektrisch angetriebene Tretroller stehen, in der Innenstadt für den Verleih, abfahrbereit. Um die Elektromobilität weiter voranzutreiben, veranstaltet die Stadt seit 2012 den Tag der E-Mobilität.

Warum unterstützt die Stadt den Elektroantrieb?

"Nur mit einer guten Infrastruktur und Förderprogrammen, wie sie von SWB Energie und Wasser angeboten werden, werden die Leute auf Elektromobilität umsteigen", so Stefanie Zießnitz. Bereits 2011 wurde die Verwaltung der Stadt Bonn durch einen Beschluss des Hauptausschusses dazu beauftragt, gemeinsam mit den Energieversorgern der Region ein Starthilfekonzept für die Elektromobilität zu entwickeln. Dazu gehörten der Ausbau der Ladeinfrastruktur, die Öffentlichkeitsarbeit und die Bereitstellung von Strom aus regenerativen Quellen. Ebenso solle die Lärm- und Abgasbelastung in der Stadt mit Hilfe der E-Mobilität gesenkt werden, erklärt Zießnitz.

Die Zukunft der E-Mobilität in Bonn

Auch das NRW-Förderprojekt "Emissionsfreie Innenstadt" spielt eine Rolle für die Unterstützung der E-Mobilität in Bonn. Insgesamt 36 Mobilstationen sollen eingerichtet werden mit dem Ziel, die verschiedenen Verkehrsangebote des Umweltverbundes räumlich zu verknüpfen und den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zu geben, umweltfreundliche Alternativen zum privaten PKW zu wählen. An den Mobilstationen soll es auch E-Lade-Stationen für E-Autos und E-Räder sowie E-Roller-Sharing-Stellplätze geben. Darüber hinaus sollen in Zukunft mit Schnellladesäulen emissionsfreie Antriebe bei Taxis gefördert werden.

Mit diesem Blick auf die aktuelle Situation der Elektromobilität in Bonn, lässt sich die Stadt als einer der Vorreiter auf diesem Gebiet einstufen. Das lässt sich unter anderem daran festmachen, dass Bonn zu den ersten Städten in Deutschland gehört, die einen E-Scooter-Verleih anbietet. Bereits wenige Tage nachdem die Elektrokleinstfahrzeug-Verordnung in Kraft getreten ist, ging der Verleih der elektrischen Tretroller in Bonn an den Start. Etwa zeitgleich nahmen unter anderem auch Köln und München die kleinen Elektro-Flitzer in ihr Angebot auf.

Mehr zum Thema Elektromobilität kann bei technikjournal nachgelesen werden.

Teaserbild: Collage - Elektromobilität in Bonn

Der Autor

Sven Reck

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