Grillen: Maiskohle statt Holzkohle

Grillen: Maiskohle statt Holzkohle

Ist Grillkohle von gestern? Viele Alternativen zur handelsüblichen Holzkohle erobern den Markt. Sie werben damit, das Grillvergnügen umweltfreundlicher zu machen. // Von Sarah Kurscheid und Rojin Hosseinishoja

Olivenkerne, Kokosschalen und Maisspindeln sind den meisten Menschen als Abfallprodukte bekannt. Startup-Unternehmen, wie das von Mario Sacilotto, wollen mit ihren Produkten das Grillen einfacher, sauberer und vor allem umweltfreundlicher machen. Sacilottos alternative Grillkohle besteht aus Maisspindeln. Das sind die Kolben ohne Maiskörner. Nach der Ernte bleiben diese auf dem Feld liegen und trocknen dort. Weitere Schritte sind zur Herstellung der Maiskohle nicht mehr nötig.

Ursprung der Geschäftsidee

Auf die Idee, Maisspindeln als Grillkohle zu verwenden, kam Sacilotto bei einem Heimatbesuch mit Freunden in Italien. Die Maiskohle kannte er aus seiner Kindheit, da bereits sein Onkel die Maisspindeln zum Grillen verwendete. Begeisterung löste diese Methode des Grillens auch bei seinen Freunden aus. So kam es dazu, dass er diese Idee in Deutschland umsetzte. Als Ökofreak bezeichnet sich Sacilotto selbst nicht.

Was sind die Eigenschaften von "Grillmais"?

Zum Grillen schüttet Mario Sacilotto circa die halbe Tüte der Maisspindeln auf den Grill. Um das Anzünden zu erleichtern, legt er diese zu einem engen Haufen zusammen. Hierbei bleiben seine Finger frei von Kohlenstaub. Zum Anzünden begießt er die Maiskohle gerne vollständig mit flüssigem Grillanzünder.

Faktor Zeit

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Sofort fangen die Maisspindeln ohne Funkenflug an zu brennen. Nach etwa 14 Minuten wird bei einer Menge von zwei Kilogramm "Grillmais" eine Temperatur von circa 700 Grad erreicht. Die Temperatur ist deutlich heißer im Vergleich zur üblichen Holzkohle. Durch die höheren Temperaturen schließen sich die Fleischfasern schneller, wodurch das Fleisch saftiger bleibt. Das tropfende Fett des Fleisches erzeugt keine Flammen in der Glut. Hierdurch entstehen kaum krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Sie entstehen bei der Verbrennung, wenn Fett in die Glut tropft. Durch den Rauch werden sie zum Grillgut transportiert und bleiben daran hängen. "Gesundheitliche Probleme durch eventuell vorhandene Reste von Spritzmitteln oder Dünger sind nicht zu befürchten. Vor der Ernte darf Mais sowieso nicht gespritzt werden und die Düngerbestandteile verbleiben einfach in der Asche. Zudem ist Dünger in kleinsten Mengen ohnehin nicht gesundheitsschädlich", so Philip Heldt, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Verbraucherzentrale NRW. Allerdings hält das Grillvergnügen nicht so lange an. Schon nach 20 bis 25 Minuten ist die Kohle abgebrannt. Für einen längeren Grillabend eignet sich diese Holzkohlealternative nicht. Dafür ist sie ideal für Spontangriller.

Herkunft der Maisspindeln

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Sacilotto importiert seine Maisspindeln aus dem Süden Europas, vorzugsweise aus Italien. Dort lässt er sie verpacken und mit LKW nach Deutschland transportieren. "Ich hatte zwar die Möglichkeit die Maisspindeln aus Osteuropa zu importieren, das wäre sogar günstiger für mich gewesen, aber an dem Punkt war es mir wichtiger zu sagen, ich unterstütze die südeuropäischen Maisspindeln. Die sind wenigstens nicht genmanipuliert", so Sacilotto.
Für die Herstellung der Maiskohle wird kein Baum gefällt. Da die Spindeln des Maises auf den Feldern durch die Sonne getrocknet werden, entstehen bei der Herstellung und Verarbeitung keine schädlichen Emissionen. Ob jedoch beim Grillen schädliche Emissionen entstehen können, konnte Sacilotto nicht sagen.

„Grillmais“ vs. Grillkohle - Vergleich

„Grillmais“ vs. Grillkohle // Quelle: Sarah Kurscheid

Import der handelsüblichen Holzkohle

Zusätzlich zur nationalen Produktion von Grillholzkohle, importiert Deutschland große Mengen aus anderen Ländern. Zum Beispiel aus Lateinamerika, Polen, Paraguay und Nigeria. Dort arbeiten die Menschen oft unter schlechten Arbeitsbedingungen. Zudem wird dabei der Regenwald zur Herstellung der Grillkohle häufig illegal abgeholzt. Viele Landschaften verändern sich dadurch gravierend, da Holzrodungen in dem Ausmaß einen erheblichen Eingriff in die Umwelt bedeuten. Oftmals herrschen in diesen Ländern andere Umweltstandards als hier, weswegen Zertifikate, wie das FSC-Siegel, nicht immer aussagekräftig sind. "Es ist auf jeden Fall gut alternative Grillkohleprodukte zu benutzen, da die im Handel erhältliche Grillkohle  meist Holz aus tropischen Wäldern oder sonstigen Urwäldern enthält und daher umweltschädlich ist", so Philip Heldt. Der WWF-Grillkohle-Test bestätigt diese Aussage.

Nachhaltigkeit beginnt beim Einkauf

Wem der Umweltschutz beim Grillen wirklich wichtig ist, sollte auch beim Einkauf darauf achten. Laut Aussagen des TÜV Rheinland, würden sich knapp 20 Prozent klimaschädlicher Emissionen vermeiden lassen, wenn man auf Rindfleisch oder Grillkäse verzichten würde und stattdessen auf Schweinefleisch, Würstchen und Gemüse zurückgreifen würde. Wer wirklich nachhaltig grillen will, sollte zusätzlich auf einen Elektro- bzw. Gasgrill umsteigen, da hier die Energie abrufbar ist, wenn sie benötigt wird.

Die Autorinnen

Rojin Hosseinishoja

Rojin Hosseinishoja

Sarah Kurscheid

Sarah Kurscheid

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