Nutzung der Uni-Apps auf Smartphone und PC

Studi-Apps auf dem Prüfstand

Habe ich neue E-Mails von meinen Professoren? Was gibt es heute in der Mensa zu essen? Wurden schon neue Noten eingetragen? Diese Fragen bestimmen den Alltag vieler Studierenden. Immer mehr App-Entwickler nehmen sich vor, den Studierenden ihren Uni-Alltag so gut es geht zu vereinfachen. // Von Rojin Hosseinishoja und Sarah Kurscheid

Gibt man in einem App-Store das Stichwort "Studium" ein, erscheint eine Vielzahl von Apps. Zu den beliebtesten Studi-Apps im App-Store gehören "module.org" vom Anbieter xStudy SE, "UniNow" von der UniNow GmbH und "Studium" von Nicolas Autzen. Diese begleiten den Alltag der Studierenden auf unterschiedliche Art und Weise: ob Stundenplan, Mensaplan, Notenliste oder E-Mails. Abhängig von der jeweiligen App werden Informationen manuell eingetragen oder mit den hochschuleigenen Onlinediensten synchronisiert.

Uni-Apps im Vergleich

Immer mehr Apps werden entwickelt, um das studentische Leben in jeglicher Form zu erleichtern. Besonders beliebt sind hier die kostenlosen Versionen.

Mit mehr oder weniger Aufwand für den Nutzer werden die wichtigsten Informationen übersichtlich dargestellt. Je mehr persönliche Daten in der App eingetragen werden, umso nützlicher ist diese für die Studierenden. "Man sollte sich also zuvor immer vergegenwärtigen, ob der erhoffte Nutzen einer App mit den damit verbundenen Risiken in Einklang zu bringen ist – zumal die meisten Universitäten ohnehin ihre eigenen Online-Zugänge oder sogar Apps zur Verfügung stellen", so Christine Steffen, Datenschutzexpertin der Verbraucherzentrale NRW. "Wie sinnvoll es ist, einem Dritten ebenfalls den Zugang zu den eigenen Daten zu gewähren, muss letztendlich jeder Nutzer für sich entscheiden."

Wie sicher sind Uni-Apps im Umgang mit persönlichen Daten?

Noch vor einem Jahr stand die App "UniNow" deutlich in der Kritik. Auch den Studierenden der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg wurde mittels einer E-Mail vom Sekretariat eindringlich von der Nutzung abgeraten. Die App verwendete sensible Daten der Studierenden, womit sie gegen die Benutzerordnungen der Hochschulen verstieß. In den Benutzerordnungen verschiedener Hochschulen steht, dass die Weitergabe der persönlichen Zugangsdaten an Dritte nicht gestattet ist. Dies könne zu einer Löschung des Benutzeraccounts führen. Ob die App "UniNow" zu Dritten gezählt werden sollte, war strittig. "UniNow" reagierte auf diese Kritik mittels Änderungen ihres Serversystems.

Kein Datenfluss mehr über UniNow-Server

Nach der Gründung von "UniNow" im Februar 2016 liefen die Anfragen der Studierenden zur Synchronisation ihrer Daten erst einmal über die unternehmenseigenen Server. Eine Synchronisation der Daten ist notwendig, um alle Funktionen der App nutzen zu können. Laut des Mitgründers Stefan Wegener synchronisierten die Daten über die Unternehmensserver deutlich schneller. Nach der Kritik änderte "UniNow" ihre Infrastruktur. Nun werden die Anfragen zur Synchronisation der Daten direkt von den Smartphones der Studierenden an die Hochschulen geschickt. Somit fällt der "UniNow"-Server in der Übermittlungskette weg. Die Nutzung der App verstößt so nicht mehr gegen die Benutzerordnung der Hochschulen. "Unsere Server sind natürlich viel schneller als die Handyserver, die auf den Smartphones der Studierenden sind. Jetzt ist es so, dass manche Anfragen länger laden müssen", so Stefan Wegener.

Finanzierung von "UniNow"

"UniNow" finanzierte sich zu keinem Zeitpunkt über die Weitergabe der persönlichen Daten von Studierenden. "Wir haben auch kein Interesse daran, so viele persönliche Daten zu speichern", so Stefan Wegener. Von Anfang an konnte sich die App über andere Mittel finanzieren: Die Finanzierung reichte von einer EXIST-Förderung bis hin zu einem Fond der Investitions- und Beteiligungsgesellschaft IBG. Die IBG-Fonds sind lukrativ für Startup-Unternehmen. Sie sind Risikokapitalfonds des Landes Sachsen-Anhalts. In Zukunft soll die App hiermit weiterentwickelt werden.

Zertifikat für den Datenschutz

Als erste deutsche Hochschul-App erhielt "UniNow" im Dezember 2017 ein Zertifikat vom TÜV-Süd für Datensicherheit, Softwarequalität und Funktionalität. Durch diese Zertifizierung erhoffen sich die Gründer Stefan Wegener und Tobias Steenweg wieder mehr Vertrauen von den Studierenden zu erhalten.

Durch das Zertifikat des TÜV-Süd werden unter anderem die Funktionalität, Benutzerfreundlichkeit und Datensicherheit der App für mobile Endgeräte bescheinigt. "Die persönlichen Daten sind bei den vom TÜV zertifizierten Apps optimal abgesichert", so Siegfried Muckenschnabl vom TÜV-Süd Product Service.

Wie läuft eine TÜV-Zertifizierung eigentlich ab?

Eine funktionierende Software ist das Wichtigste, wenn sich das jeweilige Unternehmen auf App-Entwicklung spezialisiert hat. Die Unternehmen verlassen sich darauf, dass alles einwandfrei funktioniert und die App einfach zu bedienen ist. Während des TÜV-Zertifizierungsprozesses, begleitet der TÜV-Süd die Entwickler und hilft ihnen dabei, ihre Produkte zu verbessern und regelmäßig zu optimieren. Hierdurch erkennen die App-Entwickler frühzeitig die Schwachstellen innerhalb ihrer Software. Ein TÜV-Zertifikat kann dadurch nicht nur die Produktqualität steigern, sondern auch die Akzeptanz und Zufriedenheit der Kunden. Das bedeutet auch gleichzeitig eine verstärkte Kundenbindung, was besonders für noch kleinere Unternehmen von Vorteil ist.

Der Prüfumfang wird zu Beginn individuell festgelegt. Im Anschluss erfolgen die Testanalyse und deren Auswertung. Zum Abschluss der Prüfungsreihe erhält das Unternehmen einen technischen Bericht und im besten Falle das Zertifikat und ein Prüfzeichen, mit dem es die Softwarequalität nach außen dokumentiert.

"UniNow ist nicht die einzige App, die in der Form getestet wurde. Wir testen viele Apps auf Datensicherheit, Funktionalität und Softwarequalität", sagt Siegfried Muckenschnabl. Ausführlichere Informationen, welche Apps der TÜV aktuell testet, durfte Muckenschnabl nicht preisgeben.

Die Autorinnen:

Rojin Hosseinishoja

Sarah Kurscheid

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