Die Mischung macht's

Wer soll Technik erforschen und entwickeln? Für Professorin Kira Kastell steht fest: Diversity ist in der Technologieentwicklung wichtig und gemischte Teams berücksichtigen die Anforderungen unterschiedlicher Zielgruppen besser. Die Praxis an Hochschulen und im Management sieht allerdings anders aus – hier muss sich noch vieles ändern. // Von Melanie Morgenstern

„Die Praxis aus Sicht der Ingenieurinnen“ lautete der Vortrag von Kira Kastell, promovierte Elektroingenieurin und Professorin für Übertragungstechnik an der University of Applied Sciences in Frankfurt HAW. Sie ist überzeugt, dass Teams, in denen verschiedene Geschlechter, Kulturen, Herkünfte, Altersgruppen und Behinderungen repräsentiert sind, kreativer und erfolgreicher arbeiten. Bei der Technikentwicklung und in Technikberufen seien insbesondere Frauen unterrepräsentiert.

Konferenzteilnehmen hören gespannt dem Vortrag von Frau Prof. Dr. Kastell zu. Foto: Alina Mack

Gender-Unterschiede an Hochschulen

„Hätten wir mehr Studentinnen in Fächern wie Maschinenbau und Elektrotechnik, wenn wir mehr Professorinnen als Vorbilder hätten?“, fragte Kira Kastell ihr Publikum. Die Situation an der HAW spricht eine deutliche Sprache: Der Anteil von Studentinnen und Professorinnen ähnelt sich in den verschiedenen Studiengängen. Den geringsten Frauenanteil in der Professorenschaft gibt es mit sechs Prozent in der Mechatronik und mit sieben Prozent im Maschinenbau; beim Anteil der Studentinnen ist die Mechatronik Schlusslicht. Man müsse schon früher das Interesse von Mädchen an sogenannten MINT-Berufen fördern, um die Chancen für Frauen in diesen Berufen zu erhöhen, sagte Kastell.

Zu wenig Frauen in Führungspositionen

Die Unterschiede setzen sich im Berufsleben fort. Obwohl es auch in Deutschland mehr hochqualifizierte Frauen als Männer gibt, liegt der Frauenanteil in Führungspositionen bei nur 30 Prozent. Das läge auch daran, dass vielen Frauen die Karriere weniger wichtig wäre als Männern. Außerdem sei es in Deutschland noch nicht so verbreitet, dass man Führungspositionen auch in Teilzeit ausüben könne, so Kastell. Dies sei aber wichtig, um es Frauen zu ermöglichen, sich um ihre Familie und die Karriere zu kümmern.

Frauen im Management erfordern ein Umdenken

Prof. Dr. Kira Kastell sprach insbesondere über die Rolle der Frau in Technikbranchen. Foto: Karina Resinkin

Dass es erfolgreiche Teilzeit-Chefinnen gibt, weiß Kastell aus eigener Erfahrung. „Das Ganze ist eine Herausforderung“, sagte sie, „Nicht nur für die Führungskräfte, die sich untereinander sehr gut austauschen müssen, sondern auch für die Mitarbeiter.“ Letztgenannte müssten sich darauf einstellen, dass ihre Chefin jetzt zwei Gesichter habe, die an bestimmten Wochentagen wechselten. Ob Frauen im Management tätig seien, hinge aber nicht nur von Teilzeitstelle ab. Ein deutlichen Einfluss habe die Geschäftsführung: In Unternehmen mit ausschließlich männlicher Geschäftsführung seien nur 16 Prozent der Manager Frauen.

Diverse Teams sind kreativer

Anhand eines Youtube-Videos zeigte Kastell, dass das Geschlecht bei der Entwicklung von Technik einen Einfluss hat: Ein Team aus Frauen konstruierte ein Auto und dachte an hilfreiche Details, die männliche Ingenieure bislang nicht berücksichtigt hätten. Dazu zählte beispielsweise die elektronisch Bremse, um Platz zu sparen, und die Umgestaltung der Rücksitze für Transportzwecke. Kastell betonte, dass diverse Teams zur Entwicklung von Produkten wichtig wären. „Die Mischung macht´s“, sagte sie, „Männer und Frauen haben andere Sichtweisen auf die Entwicklung von technischen Produkten und setzen andere Schwerpunkte.“ Letztendlich spiele aber nicht nur das Geschlecht eine Rolle: „Wir brauchen Teams, in denen auch verschiedene Herkünfte, Kulturen und Altersgruppe vertreten sind.“

Links: 

  • Mehr Diversität in MINT-Fächern: Dieser Link führt zu einer Ausschussdrucksache des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Eine wichtige Aussage hier ist: „Dabei könne die Heterogenität einer Gruppe dazu beitragen, unterschiedliche Perspektiven und Ideen einzubringen und so neue Problemlösungen zu finden.“. In der Datei findet man ebenfalls die Anzahl der Frauen in den verschiedenen „Männerdomänen“ deutschlandweit.
  • Förderprogramm: Dieser Link führt zum Förderkatalog der Bundesregierung. Man sieht hier, dass es bereits seit 2015 ein Förderprogramm gibt, der Maßnahmen zur Chancengleichheit von Frauen in Wissenschaft, Forschung und Technik vorsieht. Das Programm soll bis 2020 laufen.
  • Frauen an Hochschulen: Auf der Seite des Gender- und Frauenforschungszentrums der Hessischen Hochschulen kann man den Frauenanteil in den verschiedenen Bachelor-Studiengängen sehen. Hier wird deutlich, dass Frauen besonders soziale Studiengänge belegen. Die Frauenanzahl in den MINT-Fächer ist nach wie vor deutlich gering.
  • Frauen in Wissenschaft und Forschung: Hier finden Sie aktuelle Informationen vom Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung CEWS. Demnach wird angenommen, dass Frauen mit fortschreitender Karriere – aufgrund gewünschter oder realisierter Familiengründung – eher aus dem Hochschul- und außeruniversitären Forschungssektor ausscheiden als ihre männlichen Kollegen und zudem öfter kinder- und partnerlos bleiben, sofern sie weiterhin eine akademische Karriere verfolgen.
  • Statistik: Dieser Link führt zu einer Tabelle vom statistischen Bundesamt. Die Tabelle teilt Studierende nach Studienfächern, Nationalität und Geschlecht auf. So kann man die Fächer nach Gender und Diversität überprüfen.

 

Kommentar hinterlassen

Mit Absenden des Formulars erkären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung der darin eingegebenen personenbezogenen Daten einverstanden. Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.