Mann sitzt in Büro umgeben von unzähligen Paketen und Kaffeebechern.

Vermehrter Paketmüll wird zum Problem

Im Jahr 2020 führten vermehrte Online-Bestellungen zum Anstieg von Paketmüll. Es existieren allerdings einfallsreiche Lösungsansätze, welche den Abfallbergen entgegenwirken könnten.//von Lasse Böhm und Malte Meinicke 

Wie die Deutsche Post in einer Pressemitteilung  bestätigt, wurden die Paketzahlen des Jahres 2019 bereits im November übertroffen. Insgesamt werde ein Plus von knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet. Dies entspräche einer Gesamtmenge von circa 1,8 Milliarden Paketen. Durch den Anstieg an Paketmüll und Kartonverpackungen stieg das Mengenvolumen beim Altpapier an, wie der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft bekannt gab. 

Der „Amazon-Effekt“ 

Da der zweite Lockdown kurz vor Weihnachten beschlossen wurde, waren vor Altpapiercontainer vor allem Versandkartons zu finden. Dieses Phänomen wird auch als der „Amazon-Effekt“ bezeichnet. Der Begriff entstand durch die führende Rolle Amazons auf dem E-Commerce-Markt und die damit entstandene starke Störung des Einzelhandelsmarkts. Werden Verpackungen und Pakete neben die Container gestellt, verursacht dies für Müllverwertungsunternehmen und deren Mitarbeiter:innen einen höheren Aufwand.  

Müllcontainer in Bonn quellen mit Paketmüll über.

Ansammlung von Paketmüll an Containern in Bonn. Foto: Lasse Böhm

Innovative Lösungsansätze

Start-ups wie Livingpackets, mit ihrer Erfindung „The Box“, setzen auf die Verwendung von Mehrwegpaketen im Onlinehandel. Das Unternehmen verzichtet auf jeglichen Verpackungsmüll. Möglich machen dies digitale Adressanzeigen und automatisch verriegelbare Haltemechanismen. Sensoren innerhalb des Pakets messen Temperatur, Feuchtigkeit und Stöße. Auf diese kann mit einer eingebauten 4G-Internetverbindung zugegriffen werden. Zusätzlich helfen GPS und ein System, das das Öffnen der Box überwacht, Diebstähle zu verhindern. Für ihre Idee erhielt das Startup unter anderem das Qualitätssiegel für erstklassige Innovationsideen der Europäischen Kommission. Die Idee eines wiederverwendbaren Paketes könnte in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Laut einer Erklärung der EU-Kommission müssen Verpackungen bis 2030 wiederverwendbar oder wiederverwertbar sein. Somit muss unter anderem anfallender Paketmüll zukünftig deutlich vermieden werden. 

Funktionsweise von "The Box". Grafik: Malte Meinicke 

Die Auswirkungen des aktuellen Konsumverhaltens

Der Pressesprecher von Bonn Orange Jérôme Lefèvret erklärt, dass die Fahrer von Bonn Orange zunehmend über falsch entsorgten Paketmüll klagen. Bei der Entsorgung würde der Paketmüll nicht ausreichend zerkleinert und das Volumen der Papiercontainer nicht genutzt. Oftmals werde der Paketmüll daraufhin achtlos neben die Container gestellt. Das führe zu einer enormen zusätzlichen Belastung der städtischen Abfallentsorgung. Denn in der Abfallentsorgungsbranche wird die Müllmenge nach Gewicht bestimmtPaketmüll zeichnet sich hingegen durch sein großes Volumen aus. Nicht nur in Bonn, auch in anderen Städten lässt sich das Phänomen beobachtenSo teilte die Entsorgung Dortmund GmbH mit, dass der Anteil von Kartonagen deutlich gestiegen sei. Um dem entgegenzuwirken, wurden zusätzliche Papiercontainer aufgestellt und die Reinigung der Standorte intensiviert.  

Verhaltenstipps 

Pfand- und Mehrwegsysteme bieten mögliche Lösungsansätze für die zukünftige Vermeidung von Abfall, doch der einzelne Konsument spielt weiterhin eine wichtige Rolle. Ken-Alan Berkpinar von der Grünen Hochschulgruppe Bonn, formuliert konkrete Tipps für den Umgang mit Abfall im Alltag. Dabei geht es sowohl um die allgemeine Müllvermeidung als auch den richtigen Umgang mit Müll, der sich nicht vermeiden lässt.  

Verhaltenstipps und Infos zur Müllvermeidung. Grafik: Lasse Böhm, Audio: Ken-Alan Berkpinar

Rolle der Konsumenten

Mit Ende der Maßnahmen des ersten Lockdowns war der Zuwachs von Glas- und Leichtverpackungen in Privathaushalten wieder rapide abgefallen. Auch während der folgenden Sommermonate stieg dieser nicht wieder an. Prof. Dr. Wiltrud Terlau, Direktorin des Internationalen Zentrums für Nachhaltige Entwicklung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, sagt dazu: „Die Corona-Pandemie hat die Menschen über ihr Konsumverhalten nachdenken und handeln lassen. Nachhaltige, regionale, gesunde Produkte sind im Aufwärtstrend. Dieses gesteigerte Bewusstsein dürfte auch nach der Pandemie die Konsummuster weiterhin beeinflussen.“ 

 Die Autoren

Lasse Böhm

Malte Meinicke

 

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