Technik zum Wohlfühlen

Zeit ist in der Nutztierhaltung für Landwirtinnen und Landwirte ein wichtiger Faktor. Das Wohl der Tiere darf dabei nicht auf der Strecke bleiben. Deswegen spielen technische Entwicklungen und automatisierte Anlagen für Landwirte und Tiere eine essentielle Rolle. // Von Johanna Schuh

Um auf die Bedürfnisse der Tiere eingehen zu können, muss zunächst klar sein, was "Tierwohl" bedeutet. Und das für jede Tierart individuell. Es geh darum, was nicht nur "gefühlt", sondern mess- und prüfbar tiergerecht ist. Um schneller agieren zu können, helfen beispielsweise Apps zur frühzeitigen Erkennung von Krankheiten an Kühen. Ein gesunder Ernährungszustand bei Rindern ist daran zu erkennen, dass die Rippen zwar zu fühlen, aber nicht zu sehen sind. Auskunft über den Gesundheitszustand gibt zudem ein glänzend und sauberes Fell sowie eine Körpertemperatur zwischen 38,3 und 38,5 Grad Celsius. Kühe können wie Schweine oder Hunde nicht schwitzen und mögen es daher eher kühl. Wenn die Sommer noch heißer werden, müssen Landwirte in Technik zur Klimatisierung investieren. Somit hängt in Zukunft das Wohl der Tiere noch mehr von funktionierender Technik ab.

Wie Technik zur tiergerechten Haltung beiträgt, zeigt Franciska Nietzer auf ihrem Milchviehbetrieb in Königswinter. Durch Hilfe von Maschinen wird die tägliche Arbeit bewältigt und den Kühen bestmöglicher Komfort geboten.

 

Projekt für das Tierwohl

Der entscheidende Faktor für "Tierwohl" ist der Mensch, der genau hinsieht. Denn wenn die Tierhalter nicht in der Lage sind, Daten zu deuten und gegebenenfalls rechtzeitig zu reagieren, nutzen die modernsten Maschinen keinem Tier. Aus diesem Grund starteten 2014 die ersten Beratungsinitiativen in den Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz. Sie sind Teil der Tierwohl-Initiative "Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl" des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) ist dabei als Projektträger tätig, der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis fördert. Eines ihrer erfolgreichsten Projekte ist das MTool für Jung- und Legehennen. "Im MTool wird genau beschrieben, wie Legehennen und Junghennen untersucht werden sollten", erklärt Dorothe Heidemann, Referentin des MuD Tierschutz bei der BLE.

MTool hilft bei der Haltung von Hühnern

Das Herzstück des MTools ist die Tierbeurteilung. Das Computersystem für Hühnerbetriebe ermöglicht es den Landwirten, den Gesundheitszustand der Hühner zu messen, zu bewerten und entsprechend zu handeln. Indem man gesammelte Daten in das Auswertungstool überträgt, erleichtert es die systematische Erfassung von Schwachstellen im Betrieb. Die aufbereiteten Informationen über den allgemeinen Gesundheitszustand der Tiere, das Gewicht, aber auch Legeleistung und Verluste werden in Exceltabellen und Grafiken wiedergegeben. Daraus lassen sich individuelle Vorschläge für Veränderungen im Betrieb ableiten, um Wohlbefinden und Gesundheit der Tiere zu steigern.

Wissen, das ankommt

Die Übertragung von Wissen in die landwirtschaftliche Praxis erfolgt mit Lehrmaterial und Beratungsangeboten. "Die Teilnehmenden Landwirte sind sehr interessiert daran, ihre Ställe und Managementsysteme umzurüsten, um zukunftsfähige Tierhaltung betreiben zu können", so Heidemann. Axel Finkenwirth, Pressesprecher des Deutschen Bauernverbands, erklärt: "Als Verband nutzen wir wissenschaftliche Erkenntnisse von allen Instituten, z.B. Hochschulen, Lehr- und Versuchsanstalten." Die Zusammenarbeit mit der BLE spiele dabei eine unterstützende Rolle. Und auch die Presse sei wichtig. Heidemann ist sich sicher "Je stärker die Themen und Ergebnisse in den Fachmedien aufgegriffen werden, desto intensiver und effektiver ist der Wissenstransfer".

Ausbau von Datennetzen notwendig

Grundsätzlich hält Finkenwirth die Landwirte für sehr technikaffin und deshalb neuen Technologien über offen eingestellt. Allerdings müsse jede neue Technik auch bezahlt werden und sich mit Betriebsergebnissen vereinbaren lassen. Hinzu komme, dass moderne Technik nicht nur wirtschaftlich Sinn machen, sondern auch schlichtweg verfügbar sein müsse. Der Deutsche Bauernverband fordert daher flächendeckende Breitbandnetze und Mobilfunkverbindungen im gesamten ländlichen Raum. Ohne stabile und schnelle Netz-Verbindungen sind neue Technologien nicht einsetzbar. Und letztendlich müssen auch gesetzliche Vorgaben weiter angepasst werden. Denn das Interesse der Landwirte steige proportional zum Zeitdruck der Umsetzungen von Gesetzesänderungen, beobachtet Heidemann.

Teaserbild: Automatisierte Stallreinigung - für die Milchkühe Routine // Quelle: Johanna Schuh

Die Autorin

Johanna Schuh

 

Kommentar hinterlassen

Mit Absenden des Formulars erkären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung der darin eingegebenen personenbezogenen Daten einverstanden. Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.