Krumme Möhren auf dem Bauernhof Lammerzhof. Foto: Jana Rueben

Krumme Möhren für Köln

Unmengen an Obst und Gemüse werden von Supermärkten und Konsumenten weggeschmissen, da sie optisch nicht ansprechend aussehen. Ein Start-up Unternehmen aus Köln möchte das ändern und zeigt, dass auch krumme Möhren schmecken. // Von Jana Rueben und Isabel Vermaerke

07.01.2018 // In einem kleinen Laden in Köln-Ehrenfeld können Kunden selber entscheiden, was sie für die Lebensmittel zahlen. Der Laden "The Good Food" lebt nach dem Motto: "Zahl das, was es Dir wert ist." Geschäftsführerin und Inhaberin von "The Good Food", Nicole Klaski, erklärt das Konzept ihres Start-up Supermarktes. Angefangen hat alles mit einem Marktstand. Seit Februar 2017 existiert der kleine Laden in der Venloerstraße.

Das Konzept des Ladens besteht darin, Obst und Gemüse, das der Bauer nicht mehr verwerten kann einzusammeln und an die Kunden zu bringen. Denn das ist nicht unbedingt schlecht. Das Konsumverhalten der Menschen hat sich in Laufe der Zeit so verändert, dass der Bauer schon bei der Ernte feststellen kann, welche Ware die Kunden kaufen und welche nicht.

Unter den rund 40 Mitarbeitern finden sich auch viele ehrenamtliche Arbeiter, die das Konzept unterstützen. Von Obst und Gemüse bis zum 1-Liter-Kokosöl-Glas  - in den Geschäftsräumen und in der Lagerhalle, die nur zwei Straßen vom Laden entfernt ist, gibt es alle möglichen Lebensmittel. "Hier macht das Einkaufen Spaß. Es herrscht eine tolle familiäre Atmosphäre", berichtet die Stammkundin Iris Pablowski und ergänzt, "hier kennt jeder Jeden." Um weiter Kunden für sich zu gewinnen, ist Nicole Klaski oft auf Messen vertreten. Außerdem möchte sie die Menschen dazu bewegen, ihr eigenes Konsumverhalten zu überdenken.

Lebensmittelverschwendung wegen Optik

Auch im Bioladen von Bauer Heinrich Hannen zeigt sich deutlich dieses Verhalten. Heinrich Hannen erzählt, dass er auch eher einen schöneren Apfel in seinem Bioladen kaufen würde, als einen beschädigten Apfel. Es gibt einen Unterschied zwischen dem was wir wollen und dem was wir tun, sagt Hannen.

Bis zu 20 Tonnen Obst und Gemüse muss der Bauer Heinrich Hannen innerhalb eines Jahres entsorgen, da er keine Abnehmer dafür findet. Lebensmittel, die er eigentlich nicht wegschmeißen würde.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Darya Hirsch der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg aus dem Zentrum für nachhaltige Entwicklung ist entsetzt von dieser Aussage. "Man lebt in seiner eigenen Blase, dieses Projekt von "The GoodFood" gibt die Möglichkeit, Menschen Wertschätzung beizubringen". Nicht konformes Essen schmecke auch. Sie berichtet von dem ähnlichen Projekt "UglyFood", das in Australien und Frankreich gestartet sei. Mit dem Konzept hat die Supermarktkette Woolworths eine Marktlücke gefunden und ein Markenzeichen geschaffen. Mit dem Verkauf dieser Lebensmittel, möchte die Kette das Wegschmeißen von Lebensmittel reduzieren.

Gewohnheiten ändern beim Konsumverhalten

Hirschs derzeitiges Projekt "Das Regionale Forum Verantwortungsvolles Wirtschaften im Bereich Nachhaltige Lebensmittel" beinhaltet auch die Mitarbeit mit Wirtschaftspsychologen. Es lasse sich immer wieder herausfiltern, dass der Mensch ein Gewohnheitstier sei und deshalb immer wieder auf unbeschädigtes Obst und Gemüse zurückgreife, erzählte Darya Hirsch. Sie ist der Meinung, dass ein Projekt wie "The GoodFood" Potenzial hat. Trotz allem müsste sich noch vieles in der Gesellschaft ändern. Ihrer Meinung nach fehle bei diesen Projekten die Vernetzung, damit die Masse besser erreicht würde. Der Grundgedanke zu diesen Projekten sei gut, jedoch würde es Jahre dauern, bis wir auf diese Art und Weise das Konsumverhalten verändert hätten.

Derzeit konzentriert sich "The GoodFood" nur auf Lebensmittel mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum. Dennoch ist Nicole Klaski vom Gedanken nicht abgeneigt, das Sortiment auf Drogerieartikel zu erweitern. Auch eine Expansion sei nicht ausgeschlossen. Sie ist der Meinung: "Es wird sich viel verändern, aber ich bin ein Fan davon, es langsam anzugehen."

Sowohl Nicole Klaski, als auch der Bauer Heinrich Hannen bezeichnen sich selber als "Kleine Weltverbesserer" und vor allem Klaski wünscht sich: "Gerne einmal probieren wie die krumme Gurke schmeckt, meist schmeckt sie sogar besser."

Teaserbild: Krumme Möhren auf dem Bauernhof Lammerzhof. Foto: Jana Rueben

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