Die Zukunft des Einkaufens ist digital; Quelle:COLOURBOX

Die Zukunft des Einkaufens

In einem Forschungszentrum in Köln können Besucher bereits den "Supermarkt der Zukunft" testen und sehen, wie das Einkaufen dank neuester Technik schon bald ablaufen könnte. Doch bringt die Vision wirklich nur Vorteile für den Kunden? // Von Jens Weede und Christopher Hostert

28.09.2017//Das Smartphone schlägt Rezepte vor und nur kurze Zeit später meldet der Kühlschrank, ob alle Zutaten für das gewünschte Gericht vorhanden sind. Sollten nicht alle Zutaten im Haus sein, weist das Smartphone den Weg in den nächsten Supermarkt, der alle Zutaten auf Lager hat. Dort Angekommen gibt es personifizierte Coupons für ein ausgewähltes Produkt und die passenden Zutaten werden schnell gefunden. Der Supermarkt kann am Ende einfach verlassen werden, da das Geld automatisch vom Konto abgebucht wird. Bargeld, eine Kreditkarte oder eine Unterschrift werden also nicht mehr gebraucht. Was im Moment noch eine Vision ist, könnte in wenigen Jahren zur Realität werden.

Stand der Forschung

Das Unternehmen GS1 Germany forscht in ihrem "Knowledge-Center" in Köln-Braunsfeld aktuell an dem Supermarkt der Zukunft und präsentiert diesen mitsamt futuristischer Küche und intelligenter Abholstation. Der komplette Einkaufsprozess kann von der Couch bis zum Kauf der Waren innerhalb eines vorbereiteten Probelaufs getestet werden. Im Hintergrund forschen die Mitarbeiter weiter an dem Konzept, um es zu perfektionieren und irgendwann real werden zu lassen. Der Supermarkt soll der nächste Schritt in die Digitalisierung und Autonomisierung unseres Alltags sein. Vom Fernseher bis zur Abholstation für bestellte Waren soll alles miteinander vernetzt werden.

Intelligente Technik

Schon die intelligente Küche im Forschungszentrum bietet Veränderungen im Vergleich zur herkömmlichen Küche. Der Kühlschrank ist zum Beispiel mit Kameras ausgestattet, mit dem Internet verbunden und kann genau prüfen welche Produkte noch vorhanden sind. Den größten Unterschied stellt allerdings der persönliche Assistent "Toni" dar. Die künstliche Intelligenz kann Empfehlungen aussprechen, hat einen Überblick über anstehende Termine, kennt Kontakte und Vorlieben und auch der Inhalt des Kühlschranks ist ihm bekannt. Zudem kann er umgehend prüfen, in welchem Supermarkt alle benötigten Zutaten für das gewünschte Essen vorhanden sind. Ist ein Produkt nicht vorhanden, kann der Assistent das Produkt im Internet bestellen und in eine Abholbox in der Nähe senden. Hier kann das Produkt später mit einem personifizierten Chip problemlos eingesammelt werden. "Es bestehen große Chancen, Dinge schneller erledigen zu können, die früher viel Zeit benötigt haben. Diese Chance sollte man auch nutzen", denkt Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz. Laut Kelber darf allerdings genau eine Sache nicht passieren: "Meine eigenen Geräte dürfen sich nicht gegen mich wenden und Daten über mich sammeln, die mich in eine schlechtere Position bringen."

Digitales Shoppen

Das Smartphone ist heute schon ein ständiger Begleiter in unserem Alltag. Im Supermarkt der Zukunft nimmt das Gerät ebenfalls eine zentrale Rolle ein und dient als eine Art Assistent. Mit dem Smartphone können Kunden die einzelnen Produkte scannen, um sich weitere Informationen anzeigen zu lassen, aber auch der Einkaufswagen soll digitalisiert auf dem Gerät zu sehen sein. Zudem registriert der Supermarkt anhand unseres Smartphones, wann wir den Laden betreten und verlassen. Beim Verlassen des Ladens soll der Markt genau wissen, welche Produkte im Warenkorb sind und dann die fällige Summe direkt vom Konto abbuchen. Für all diejenigen, die kein Smartphone oder Tablet besitzen, bietet der Markt in der Übergangsphase kleine Handheldscanner. "Das sind kleine Geräte, die sie sich im Supermarkt eben im Eingangsbereich abholen können, da können sie auch selber mit scannen. Aber sie können immer noch ganz klassisch an die Kasse gehen.", ergänzt Christian Eisenberg, Wirtschaftspsychologe und Manager bei GS1 Germany.

Verschiedene Technologien

Nur wenige Meter hinter dem Eingang gibt es eine weitere Veränderung. An einem Stand mit Keksen ist ein Bildschirm zu sehen, der den Innenraum des Supermarkts zeigt. Kameras filmen den Bereich vor dem Stand und erkennen Personen, die vor diesem stehen bleiben. Je nach Gesichtsausdruck und Stimmung des Kunden schlägt das Gerät nun ein passendes Rezept vor und zeigt die notwendigen Zutaten an. Das Rezept kann sich der Kunde ausdrucken, um anschließend nach den passenden Produkten zu suchen.

Transparenz beim Einkaufen

Ein spezieller Code soll dem Kunden in Zukunft mehr Informationen zu seinen Lebensmitteln liefern und ihn erkennen lassen, welche Stationen das Produkt bisher durchlaufen hat. Mit der so genannten RFID-Technologie soll das Einkaufen transparenter werden. Die Technik ähnelt einem QR-Code, bietet dem Kunden aber wesentlich mehr Informationen. Es soll vor allem bei empfindlichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Obst oder Gemüse zum Einsatz kommen. Nach dem Scannen des RFID-Codes bekommt der Kunde sofort alle wichtigen Informationen auf sein Smartphone oder den geliehenen Handheld. Nun kann der Kunde sehen, wo das Rind geschlachtet wurde, wo es verarbeitet wurde, auf welchem Weg es nach Deutschland kam und unter welchen Umständen das Rind gelebt hat. Der Käufer soll damit eine nähere Vorstellung bekommen, welchen Weg das Produkt bisher genommen hat und ob es sich zum Beispiel wirklich um ein faires Produkt aus der Region handelt. Ferner soll die Technik laut Christian Eisenberg aber auch in der Lage sein, Ladendiebstähle aufzuklären: "Die RFID-Technologie ist eine Sender-Empfänger-Technologie die mit kleinen Antennen arbeitet und so kontaktlos erfahren kann, wo sich das Produkt gerade befindet."

Mögliche Gefahren

Durch die Vernetzung der Haushaltsgeräte mit dem Supermarkt und den jeweiligen Kameras können aber auch Gefahren für den Kunden entstehen. Der Verbraucher vertraut dem Supermarkt und gerade dem persönlichen Assistenten Toni viele Daten an und macht sich dadurch angreifbar. Gerade bei personifizierten Coupons solle man laut Kelber vorsichtig sein: "Ein Coupon soll ja ein Belohnungszentrum im Hirn aktivieren und mich zu einem Kauf von etwas verführen, das ich in diesem Moment nicht getan hätte, weil ich mich ja eigentlich schon für den Ort entschieden habe." Der Kunde kann die Übersicht über die Preise verlieren und begibt sich in eine gewisse Abhängigkeit von der Technik. Die Politik beobachte diese Entwicklung und wolle auf zwei Dinge reagieren. Zum einen müsse diese Datensammlung und Profibildung klar reguliert sein und zum anderen bräuchte es wenigstens Transparenz, ob es sich gerade um einen individualisierten Preis handele, so Kelber weiter.

Datensicherheit

Christian Eisenberg erklärt, dass sich der Kunde entsprechend registrieren und zunächst seine Zustimmung geben müsse, damit die Daten für diesen Verwendungszweck vom Händler genutzt werden dürften. "Wir haben in Deutschland aber auch ein sehr strenges Datenschutzgesetz, das dem Händler da auch Limitationen setzt", fährt Eisenberg fort. Diplominformatiker Matthias Wübbeling von der Universität Bonn beschäftigt sich aktiv mit dem Thema Informationssicherheit und digitalem Identitätsdiebstahl und denkt, dass ein Urteil erst gefällt werden könne, wenn die Technik feststehe, die eingesetzt würde. "So lange der Kunde noch vor Ort sein muss und irgendwas bedienen muss, ist es natürlich schon sicherer, da zumindest die physische Anwesenheit des Kunden erforderlich ist", sagt Wübbeling und ergänzt: "Wenn das nicht mehr vorhanden ist, dann hat man natürlich auch unter Umständen viele andere Möglichkeiten das zu umgehen."

Der Supermarkt der Zukunft bietet einige interessante Einblicke, wie das Einkaufen einmal aussehen könnte. Auch wenn es sich hierbei noch um eine Vision handelt, sind Objekte wie der smarte Kühlschränke von dem Einsatz nicht mehr weit entfernt und könnten sich in den nächsten Jahren auf dem Markt etablieren. Auch wenn der gezeigte Ablauf das Einkaufen für den Kunden vereinfachen und automatisieren könnte, sind die Gefahren nicht zu unterschätzen. Bis ein Markt in dieser Form real werden kann, gilt es also noch einige rechtliche Aspekte zu beachten und anzupassen.

Die Autoren

Cristopher Hostert

Cristopher Hostert

Jens Weede

Jens Weede

 

 

 

 

 

 

Quelle Teaserbild: Colourbox

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